Ich habe diesen Text und etliche weitere unter Verwendung nicht nur, aber ganz besonders eines Werkzeuges geschrieben, das dabei ist, die Welt zu verändern. Ich rede von Large Language Models, kurz: LLM, fälschlicherweise auch bekannt als KI. Meine Texte können Spuren von maschinengenerierten Formulierungen enthalten. Ich schäme mich dessen nicht. Im Gegenteil. Ich halte Wort- und Wissensarbeiter, die sich dieser Maschine nicht bedienen, für, sagen wir, voreingenommen. Sie schaden sich.
Selbstverständlich haben wir es mit einem Ding zu tun. Was sonst? Selbstverständlich sollten wir nicht auf die Mimikry hereinfallen, mit der dieses Ding uns täuscht und bezirzt. So gibt es etwa vor, eine Persönlichkeit zu besitzen. Oder: alles zu wissen. Selbstverständlich ist das Unsinn. Da ist nichts dergleichen. Es ist und bleibt eine Maschine für applied statistics. Sie hat kein Rückgrat und ist nicht moralfähig.
Aber was für eine Maschine das ist!
Als Student, der das Potential der digitalen Revolution erkannte, fuhr ich hunderte Kilometer, um mir im Umfeld einer Technischen Universität einen der ersten PC teuer zu besorgen, weil solche Dinger in meiner Universitätsstadt schlicht nicht aufzutreiben waren. Schon damals begegnete mir Unverständnis und Gegnerschaft, milde gesagt, übrigens auch und gerade im akademischen Umfeld. Seitdem bin ich aber trotzdem drangeblieben und habe als early adopter die digitale Revolution aktiv willkommen geheißen und sie persönlich, nach meinen sehr bescheidenen Möglichkeiten, vorangetrieben.
Mittlerweile ist beinahe ein halbes Jahrhundert darüber vergangen - und ich stoße immer noch und immer wieder auf dieselben Vorbehalte und Bedenken gegenüber der Digitalisierung und ihren innovativen Schockimpulsen. Wie immer gehen die Bedenkenträger selektiv vor. Ich kenne niemanden, der nicht ein Smartphone mit sich herumtragen würde und social media nutzt. Ich kenne dagegen kaum jemanden, der sich der umstürzenden Bedrohungen durch diese wirklich bewusst wäre. Erst recht erfasst nach meinem Dafürhalten auch kaum jemand die für demokratische Gesellschaften existentiellen Gefahren durch Überwachung und Manipulation. Man habe ja nichts zu verbergen, höre ich immer wieder.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Digitalisierung unglaubliche Möglichkeiten eröffnet. Und zwar im Positiven. Sie hilft, menschheitliche Probleme in einer Art und Weise anzupacken, die tatsächlich auf Lösungen hoffen lässt. Klimaforschung, Wissenschaften überhaupt, Artenschutz, weltweiter Handel, weltweite Kommunikation und so vieles andere wären ohne digitale Technik unmöglich oder zumindest nicht mehr zu bewältigen. Die Welt braucht die Digitalisierung und sie braucht sie immer mehr. LLMs gehören dazu.
Als ich während der Pandemie anfing, mich wieder schreibend meines Lebens zu versichern, konnte ich auf Hilfsmittel zurückgreifen, von denen ich als Student nur träumen konnte. Dann kam OpenAI mit ChatGTP und toppte alles. Ich bekam frei Haus geliefert: umfassendes Wissen und einen Sparringspartner, mit dem ich Ideen entwickeln und ausarbeiten konnte. Vom platten Land aus und durch die Krankheit isoliert hatte ich auf einmal nichts Geringeres als eine Universität samt Kollegen und Bibliothek auf dem Schirm. Alles zu meiner freien Verfügung.
Der Pferdefuß: So ein LLM war noch unzuverlässiger im Benehmen als all die Menschen, mit denen ich es schon zu tun hatte. Äußerste Vorsicht war geboten. Sie tat beflissen, war aber liederlich bis in die Backbones und schwindelte, dass mir schwindlig wurde. Die Maschine gab sich wie ein falscher Freund, immer da, wenn man ihn brauchte, aber lügend und halluzinierend, dass sich der Bildschirm bog. Ich musste lernen, damit umzugehen.
Es gelingt mir immer besser, bilde ich mir ein. Von anthropomorphen Zuschreibungen, wie sie zum Beispiel in künstlicher Intelligenz anklingen, halte ich mich fern. Ich mache, wenn ich arbeite, der Maschine klar, wer hier wen nutzt. Der kategorische Imperativ kommt im Umgang mit ihr nicht zur Anwendung.
Es gelingt mir, weil ich der nahegelegten Illusion, es mit einer verantwortungsbereiten Persönlichkeit zu tun zu haben, nicht verfalle. Das Ding hat kein Gewissen. Genauer: Es kann keines haben und keines entwickeln. Glücklicherweise. Heißt: Ich zeichne verantwortlich. Nur ich. Alle Fehler und Versäumnisse gehen zu meinen Lasten. Auch die Unzulänglichkeiten. Daran hat sich nichts geändert. Deshalb habe ich auch kein Problem mit den Spuren, die LLMs in meinen Texten hinterlassen. Ich bin nicht allergisch dagegen.